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Leitfäden

EN 15587 Besatz bei Weizen: Der komplette technische und operative Leitfaden

Meistern Sie die Besatzbestimmung nach EN 15587:2018 für Weizen, Hartweizen, Roggen und Futtergerste. Erfahren Sie alles über Fraktionsdefinitionen, Laborabläufe, EU-Grenzwerte und automatisierte visuelle Inspektionen.

Ramunas Berkmanas
Autor:
CMO
✓ Überprüft von Dainius Grigaitis
BDM
Aktualisiert: 22. April 2026
12 min Lesezeit
EN 15587 Besatz bei Weizen: Der komplette technische und operative Leitfaden
Europäisches Getreidelabor bei der Besatzbestimmung nach EN 15587:2018

Key Takeaways

  • Die EN 15587:2018 ist der maßgebliche europäische Standard zur Quantifizierung von Verunreinigungen (Besatz) in Weichweizen, Hartweizen, Roggen, Triticale und Futtergerste.

  • Die Norm unterteilt alle vom Grundgetreide abweichenden Bestandteile in vier Hauptfraktionen: Bruchkorn, Kornbesatz, Auswuchs und Schwarzbesatz.

  • Der Schwarzbesatz umfasst kritische Mängel wie Mutterkorn, Unkrautsamen, Steine und tierische Verunreinigungen und ist bei Mahlweizen streng auf 1,0 % begrenzt.

  • Die manuelle Untersuchung einer 100 g Weizenprobe beansprucht im Labor in der Regel 20 bis 30 Minuten ununterbrochene Arbeitszeit pro Analyse.

  • Die Ermüdung der Laboranten während der Ernteerfassung führt bei der visuellen Klassifizierung der Fraktionen zu Fehlerquoten von bis zu 15-25 %.

  • Automatisierte visuelle Inspektionssysteme arbeiten parallel zu chemischen NIR-Analysatoren und digitalisieren die physikalische EN 15587-Analyse, während das NIR-Gerät Parameter wie Feuchtigkeit und Protein erfasst.

Was die EN 15587:2018 definiert

Im europäischen Getreidehandel ist die Bestimmung der physikalischen Reinheit einer Schüttgutlieferung genauso entscheidend wie die Messung ihres Protein- oder Feuchtigkeitsgehalts. Die EN 15587:2018 (Getreide - Bestimmung des Besatzes in Weizen (Triticum aestivum L.), Hartweizen (Triticum durum Desf.), Roggen (Secale cereale L.), Triticale (xTriticosecale Wittm. ex A. Camus) und Futtergerste (Hordeum vulgare L.)) ist die maßgebliche europäische Norm für diese physikalische Prüfung.

Der Begriff Besatz umfasst im Kontext der EN 15587 sämtliches Material innerhalb einer 100 g Probe, das nicht dem einwandfreien, unbeschädigten Grundgetreide entspricht, welches gehandelt wird.

Die Norm dient der Vereinheitlichung der Prüfmethoden in den europäischen Laboren und beseitigt die Unklarheiten, die in der Vergangenheit bei grenzüberschreitenden Getreideverträgen an der Tagesordnung waren. Als historischer deutscher Vorläufer diente oft die DIN 10355, die heute jedoch durch die EN 15587 europaweit harmonisiert und abgelöst ist. Durch die Festlegung strikter Definitionen dafür, was ein “Bruchkorn” im Vergleich zu einem “Schmachtkorn” oder “Schwarzbesatz” darstellt, stellt die EN 15587 sicher, dass beispielsweise eine große Erfassungsgenossenschaft wie die AGRAVIS Raiffeisen in Deutschland und ein Hafenterminal in Polen die Annahmequalität mit einer identischen analytischen Sprache bewerten.

Besonders wichtig ist der Geltungsbereich: Die EN 15587 umfasst Weichweizen, Hartweizen, Roggen, Triticale und Futtergerste. Sie gilt ausdrücklich nicht für Hafer, Mais oder Braugerste (für letztere wird die EN 16378 herangezogen). Darüber hinaus regelt die Norm ausschließlich physikalische und visuelle Eigenschaften. Chemische Parameter – wie Protein, Feuchtigkeit, Fallzahl oder Hektolitergewicht – fallen vollständig aus dem Zuständigkeitsbereich der EN 15587.

Aufschlüsselung der Besatzfraktionen

Die Grundlage der EN 15587 ist die systematische Trennung einer Rohprobe in hochspezifische Fraktionen. Die makellosen Körner gelten als “Grundgetreide”, während das restliche Material in vier primäre Besatzfraktionen unterteilt wird.

Bruchkorn

Ein Korn wird als Bruchkorn eingestuft, wenn ein Teil des Korns fehlt, sodass der Mehlkörper (Endosperm) freiliegt. Die strenge visuelle Vorgabe der EN 15587 verlangt, dass der Mehlkörper mit bloßem Auge deutlich sichtbar sein muss. Wenn ein Korn lediglich abgeschürft ist oder geringfügige oberflächliche mechanische Schäden aufweist, ohne die innere Stärkematrix freizulegen, bleibt es Grundgetreide.

Bei Weizen werden Körner, bei denen nur das Bärtchen (das haarige Ende) fehlt oder bei denen der Keim herausgelöst ist, ohne dass der Mehlkörper freiliegt, in der Regel nicht als Bruchkorn gewertet. Die präzise Trennung von Bruchkorn ist von entscheidender Bedeutung, da hohe Bruchanteile die Mehlausbeuten drastisch verringern und die Anfälligkeit für Schädlingsbefall und Schimmelbildung während der Silolagerung deutlich erhöhen.

Kornbesatz

Diese Fraktion sorgt bei der Annahme oft für die meisten Diskussionen, da sie auf subjektiven visuellen Schwellenwerten und präziser Siebung beruht. Sie umfasst:

  • Schmachtkorn (Kümmerkorn): Körner, die unterentwickelt, leicht und dünn sind. Für Weichweizen sieht das Standardverfahren in der Regel ein 1,8 mm Schlitzsieb vor. Fällt das Korn durch dieses Sieb, wird es als Schmachtkorn eingestuft. Für Hartweizen wird häufig ein 1,9 mm Sieb angewendet.
  • Anderes Getreide (Fremdgetreide): Alle Getreidearten, die nicht der Hauptmasse entsprechen. Beispielsweise Roggen- oder Gerstenkörner innerhalb einer Weichweizenlieferung.
  • Durch Schädlinge beschädigte Körner: Körner, die sichtbare Bohr-, Fraß- oder innere Aushöhlungsspuren von Insekten (wie etwa dem Kornkäfer Sitophilus granarius) aufweisen.
  • Körner mit verfärbtem Keim: Weizenkörner, bei denen der Keim sichtbar verfärbt ist (meist dunkelbraun bis schwarz), was häufig auf oxidativen Stress oder spezifische mikrobielle Aktivität zurückzuführen ist.
  • Hitzegeschädigte Körner: Körner, die äußerlich eine deutliche braune bis schwarze Verfärbung aufweisen und im aufgeschnittenen Zustand einen gelblich-grauen bis bräunlich-schwarzen Mehlkörper zeigen. Dieser Schaden entsteht in der Regel durch aggressive künstliche Trocknung bei überhöhten Temperaturen oder durch Selbsterhitzung aufgrund einer Lagerung mit zu hoher Feuchtigkeit.

Auswuchs (Ausgewachsene Körner)

Auswuchs ist ein katastrophaler Mangel für Mahlweizen, der untrennbar mit einer hohen Alpha-Amylase-Aktivität und einer niedrigen Fallzahl verbunden ist. Nach EN 15587 ist die Beurteilung von Auswuchs streng visuell.

Ein Korn gilt als ausgewachsen, wenn die Keimwurzel (Radicula) oder der Keimling (Plumula) deutlich sichtbar ist. Entscheidend ist: Wenn die Samenschale über dem Keim lediglich geschwollen, gespalten oder gerissen ist – aber kein Keimling herausragt –, schreibt die Norm vor, dass es sich nicht um Auswuchs handelt. Diese visuelle Unterscheidung erfordert im Labor höchste Konzentration, da eine Verschiebung der Auswuchsmenge um 0,5 % den Unterschied zwischen Mahlqualität und Futterqualität ausmachen kann.

Schwarzbesatz

Der Schwarzbesatz stellt die am strengsten pönalisierte Fehlerkategorie dar. Es handelt sich hierbei um diverse, oft gefährliche Verunreinigungen, die vor der Verarbeitung rigoros entfernt werden müssen.

  • Unkrautsamen: Dies umfasst sowohl ungiftige Samen als auch stark reglementierte giftige Samen (z. B. Datura stramonium).
  • Mutterkorn (Ergot): Die dunklen, hornförmigen Pilzkörper, die von Claviceps purpurea gebildet werden. Da Mutterkorn hochgiftige Alkaloide enthält, wird sein Vorkommen streng kontrolliert.
  • Fremdbestandteile: Anorganische Materialien wie Steine, Sand, Erdklumpen und Staub sowie organische Nicht-Getreide-Bestandteile wie Stroh, Spreu und Pflanzenstängel.
  • Tierische Verunreinigungen: Tote Insekten, Insektenfragmente, Nagetierhaare und tierische Ausscheidungen.
  • Feinbesatz: Jeglicher Staub oder Bruchstücke, die vor der eigentlichen manuellen Sortierung durch das anfängliche 1,0 mm Schlitzsieb fallen.

Probenahme und Teilung nach EN 15587

Um wiederholbare Ergebnisse zu erzielen, muss die am Labortisch angewandte physikalische Methodik genauso streng sein wie die Definitionen selbst. Der Prozess stützt sich maßgeblich auf die Einhaltung der EN ISO 24333 (die Norm für die Probenahme von Getreide). Das Labor erhält in der Regel eine eingereichte Gesamtprobe von 250 g bis 1 kg; speziell für die Besatz-Bestimmung wird anschließend mithilfe des Probenteilers eine Arbeitsprobe von 100 g entnommen, bevor mit der Siebung begonnen wird.

  1. Herstellung der Sammelprobe: Eine repräsentative Sammelprobe wird mittels automatischer Probenahmesysteme aus dem Lkw oder Waggon gezogen. Diese Menge muss im Anschluss gründlich homogenisiert werden.
  2. Probenteilung: Unter Verwendung eines validierten mechanischen Probenteilers (z. B. Riffel- oder Rotationsprobenteiler) entnimmt der Labortechniker eine exakte Teilprobe. Für Weizen, Hartweizen, Roggen und Triticale beträgt die Masse dieser Teilprobe etwa 100 g. Für Futtergerste wird eine Arbeitsprobe von 100 g verwendet.
  3. Erste Siebung (1,0 mm): Die 100 g Probe wird auf 0,01 g genau abgewogen. Anschließend wird sie über ein 1,0 mm Schlitzsieb geführt (oder in einer mechanischen Siebmaschine geschüttelt). Jedes Partikel, das durch dieses Sieb fällt, wird sofort gewogen und als Schwarzbesatz (Feinbesatz) protokolliert.
  4. Manuelle Sortierung: Das auf dem Sieb verbleibende Material wird auf einer sauberen, kontrastreichen Oberfläche ausgebreitet. Unter heller, diffuser Laborbeleuchtung (idealerweise 5400K Tageslichtlampen) trennt der Laborant mit Pinzette und Lupenspatel manuell jedes einzelne Korn in seine jeweilige EN 15587-Fraktion.
  5. Wiegen und Berechnung: Nach der vollständigen Trennung wird jede Fraktion (Bruchkorn, Kornbesatz, Auswuchs, Schwarzbesatz) einzeln auf 0,01 g genau ausgewogen. Die Masse wird dann als Prozentsatz des ursprünglichen Gewichts der Teilprobe ausgedrückt.

Typische Grenzwerte im EU-Handel

Die Einhaltung der EN 15587 ist nicht nur eine reine Laborübung; sie bestimmt unmittelbar den finanziellen Wert der Ernte. Die Europäische Verordnung (EU) Nr. 1308/2013 (in Deutschland maßgeblich bei Getreidehandelsklassen und EU-Intervention) sowie verschiedene nationale und kommerzielle Qualitätsschemata setzen strenge Höchstgrenzen für diese Fraktionen durch.

Während individuelle Mühlenverträge variieren, veranschaulicht die folgende Tabelle die typischen maximalen Besatzgrenzwerte, die im europäischen Standardhandel für Weichweizen und Hartweizen anzutreffen sind:

Getreidekategorie Gesamtbesatz (Max. %) Bruchkorn (Max. %) Auswuchs (Max. %) Schwarzbesatz (Max. %)
Weichweizen (Hochwertiger Mahlweizen) 5,0 % 2,0 % 1,0 % 1,0 %
Weichweizen (Standard-Mahlweizen) 7,0 % 4,0 % 2,5 % 1,5 %
Hartweizen (Pasta-Qualität) 5,0 % 3,0 % 1,0 % 1,0 %
Futterweizen 10,0 % 5,0 % Keine feste Grenze 3,0 %

Innerhalb der 1,0 % Schwarzbesatzgrenze für Mahlweizen werden Untergrenzen streng durchgesetzt. Mutterkorn ist beispielsweise gemäß den EU-Lebensmittelsicherheitsvorschriften in der Regel auf 0,02 % (200 mg/kg) begrenzt, während bei bestimmten giftigen Unkrautsamen eine nahezu absolute Nulltoleranz gilt.

Manuelle Besatzbestimmung: Der größte Engpass im Labor

Trotz der Präzision der Norm ist die operative Realität bei der Durchführung der EN 15587 in einem hochfrequentierten Getreideerfassungslabor höchst problematisch. Die manuelle Trennung einer 100 g Probe erfordert von einem Labortechniker die visuelle Inspektion von 2.500 bis 2.800 einzelnen Körnern.

Unter optimalen Bedingungen benötigt ein erfahrener Laborant 20 bis 30 Minuten konzentrierte Arbeitszeit am Labortisch, um eine einzige Weizenprobe fehlerfrei zu bearbeiten. Während der Haupterntezeit, wenn eine gewerbliche Mühle 40 bis 60 Lkw-Ladungen pro Schicht abfertigen muss, führt dies zu einem massiven mathematischen Engpass. Vierzig Lkw zu je 25 Minuten entsprechen über 16 Stunden rein manueller, physikalischer Sortierarbeit.

Dieses enorme Volumen an Handarbeit führt zu zwei kritischen operativen Schwachstellen:

Erstens: Verzögerungen bei der Annahme. Die Lkw stauen sich auf dem Hof und warten auf die Laborfreigabe. Wenn das Labor die Besatzanalyse überstürzt, um den Rückstau aufzulösen, werden zwangsläufig subtile Mängel wie hitzegeschädigte Körner oder leichter Schädlingsfraß übersehen.

Zweitens: Ermüdung der Laboranten. Das Betrachten von 2.800 Körnern unter hellem Licht verursacht erhebliche Augenbelastung und kognitive Erschöpfung. In der Praxis berichten Laborleiter, dass die Fehlerquoten bei der visuellen Klassifizierung der Fraktionen im Laufe einer langen Schicht merklich ansteigen – insbesondere in den letzten Stunden eines harten Erntetages. Wenn ein Laborant erschöpft ist, landet ein Korn mit leicht gespaltener Samenschale versehentlich auf dem Haufen für “Auswuchs”, oder ein Triticale-Korn wird zwischen den Weizenkörnern schlichtweg übersehen.

Um das Ausmaß dieser operativen Herausforderung besser zu verstehen, bietet ein Blick darauf, wie KI im Vergleich zu 5 Labortechnikern abschneidet, eine klare Sicht auf die Varianzen, die durch menschliche Ermüdung in standardisierten Untersuchungsmethoden entstehen.

Häufige Fehler und Streitigkeiten

Die Subjektivität, die der manuellen menschlichen Prüfung innewohnt, führt immer wieder zu Streitigkeiten zwischen dem Verkäufer (Landwirt oder Landhandel) und dem Käufer (Mühle oder Hafenterminal). Zu den häufigsten Streitfällen im Rahmen der EN 15587 gehören:

Hitzeschaden vs. Natürliche Variation: Natürliche Umweltstressfaktoren oder spezifische Sortenmerkmale können eine leichte Verdunkelung des Korns verursachen. Diese natürliche Farbvariation von einem echten Hitzeschaden (der die Kleberintegrität beeinträchtigt) zu unterscheiden, ist bekanntermaßen schwierig. Wenn ein Labor eine Lieferung fälschlicherweise wegen Hitzeschäden abwertet, sind die finanziellen Einbußen massiv.

Fusarium-infizierte Körner: Die Norm ordnet verschiedene visuell geschrumpfte, kreidige oder rosa verfärbte Körner dem Kornbesatz zu. Den genauen visuellen Schwellenwert zu bestimmen, ab dem ein Korn definitiv als “Fusarium-infiziert” und nicht nur als leichtes Schmachtkorn gilt, erfordert jedoch umfangreiche Schulung. Eine korrekte Klassifizierung ist hier aufgrund des Mykotoxinrisikos in Verbindung mit Fusarium in europäischem Getreide unerlässlich.

Mutterkorn-Fragmente: Mutterkornkörper sind sehr spröde und zerbrechen oft während des Transports oder der Förderung durch Schnecken. Die Laboranten müssen akribisch nach winzigen lila-schwarzen Fragmenten suchen, die oft nur wenige Millimeter groß sind und extrem leicht mit dunklen Pflanzenresten verwechselt werden können. Werden diese Fragmente übersehen, verstößt dies nicht nur gegen den Grenzwert für Schwarzbesatz, sondern verletzt direkt die strengen Mutterkornalkaloid-Grenzwerte des Lebensmittelrechts.

Identifikation von “Anderem Getreide”: Die Trennung von Roggen und Weizen ist im Allgemeinen unkompliziert. Die Identifizierung moderner Triticale-Sorten (eine Kreuzung aus Weizen und Roggen) innerhalb einer Weichweizenprobe bringt die manuelle visuelle Inspektion jedoch an ihre Grenzen. Triticale-Körner ähneln oft stark großen Weizenkörnern, was regelmäßig zu Fehlklassifizierungen und anschließenden Streitigkeiten über Getreidebesatz-Standards zwischen EU- und US-Märkten führt.

Wie die automatisierte visuelle Inspektion die EN 15587 unterstützt

Um den Engpass bei der Erfassung endgültig zu beheben, setzen moderne europäische Labore zunehmend auf automatisierte visuelle Inspektionstechnologien in Ergänzung zu ihren bestehenden chemischen Analysegeräten.

Dabei ist es wichtig, die klare technologische Arbeitsteilung bei der Annahme zu verstehen. Standardlaborgeräte von Herstellern wie FOSS (Infratec), Perten oder Bruker nutzen die Nahinfrarot-Technologie (NIR), um die chemischen Eigenschaften zu messen: Feuchtigkeit, Protein, Stärke und Fett. Ein NIR-Gerät kann jedoch keine physikalische Besatzanalyse nach EN 15587 durchführen. Es kann weder ein Bruchkorn noch einen Unkrautsamen oder die Keimwurzel bei Auswuchs visuell erkennen.

An dieser Stelle schließen automatisierte optische Systeme wie GrainODM den Workflow der Qualitätskontrolle ab. Während der NIR-Analysator seinen 60-sekündigen chemischen Scan durchführt, wird parallel eine 100 g Probe in den visuellen Analysator gefüttert. Mithilfe von Computer Vision und KI-Modellen, die mit Millionen annotierter Körner trainiert wurden, inspiziert und klassifiziert GrainODM jedes einzelne Korn individuell in die exakten Fraktionskategorien der EN 15587.

Das optische System identifiziert Bruchkorn, Schmachtkorn, anderes Getreide und Schwarzbesatz-Komponenten wie Unkrautsamen und Mutterkorn. Es erledigt die 30-minütige manuelle Sortieraufgabe völlig objektiv in wenigen Sekunden, dokumentiert die genauen Prozentsätze und liefert eindeutige fotografische Beweise für die festgestellten Mängel. Durch die nahtlose Zusammenarbeit mit den NIR-Geräten digitalisiert die visuelle Automatisierung den gesamten Erfassungs-Workflow und stellt die Einhaltung physikalischer Normen sicher, ohne der unweigerlichen Ermüdung von Laboranten zu unterliegen.

EN 15587 und grenzüberschreitender Handel: GAFTA, FOSFA, EU-Intervention

Standardisierung ist das absolute Fundament des internationalen Getreidehandels. Die strengen Definitionen der EN 15587 sind tief in umfassendere europäische und globale Handelsrahmenwerke eingebettet – was auch von Branchenverbänden wie dem Verband Deutscher Mühlen (VDM) immer wieder als essentielle Voraussetzung für einen fairen Handel betont wird.

Bei der Abwicklung von Verträgen unter der Grain and Feed Trade Association (GAFTA), insbesondere nach GAFTA 124 (Probenahmeregeln), stützt sich die physikalische Bestimmung von Verunreinigungen in europäischen Löschhäfen standardmäßig auf die Methoden der EN 15587. Ein Schiff, das aus dem Baltikum in Hamburg, Bremen oder Rostock anlegt, wird nach ISO 24333 beprobt, und der Besatz wird exakt nach den Fraktionen der EN 15587 quantifiziert, um festzustellen, ob die Ladung den vertraglichen Spezifikationen entspricht.

Ebenso stützt sich das Interventionsaufkaufprogramm der Europäischen Union auf diesen Standard. Wenn die Marktpreise fallen und nationale Stellen überschüssigen Weizen aufkaufen, um den Markt zu stabilisieren (gemäß Getreidehandelsklassen), sind die Qualitätskriterien bei der Annahme kompromisslos. Interventionssilos verlangen detaillierte Laborzertifikate, die belegen, dass der Gesamtbesatz, das Bruchkorn und der Schwarzbesatz strikt innerhalb der in der EU-Verordnung 1308/2013 festgelegten Grenzwerte liegen, um sicherzustellen, dass langfristige strategische Vorräte optimale Teststandards für Getreidereinheit aufrechterhalten.

Der Weg vom manuellen zum validierten Besatz-Workflow

Der Betrieb einer modernen Getreideannahme mit hohem Durchsatz erfordert zwingend die Abkehr von subjektiven, 30-minütigen manuellen Trennungen am Labortisch. Die Digitalisierung der physikalischen Prüfung nach EN 15587 beseitigt Ihren kritischsten Engpass während der Ernte, gewährleistet absolute Konsistenz zwischen verschiedenen Schichten und eliminiert dauerhaft kostspielige Lieferantenstreitigkeiten über die Kategorisierung von Mängeln. Durch den Einsatz einer automatisierten visuellen Analyse parallel zu Ihren bestehenden chemischen NIR-Instrumenten kann Ihr Labor ein vollständiges, normkonformes und sofortiges Qualitätsprofil erzielen. Um zu evaluieren, wie Computer Vision Ihre Besatzbestimmung in der kommenden Ernte standardisieren kann, vereinbaren Sie eine technische Demonstration mit unserem Team.


Referenzstandards und Vorschriften, die in diesem Leitfaden zitiert werden:

Häufig Gestellte Fragen

Besatz ist der übergeordnete Begriff für alle Verunreinigungen und Mängel in einer Getreideprobe. Schwarzbesatz ist eine spezifische, streng reglementierte Unterkategorie des Besatzes, die höchst unerwünschte Bestandteile wie Unkrautsamen, Mutterkorn, Steine, Sand und tierische Ausscheidungen umfasst.

Nein, die EN 15587:2018 schließt Braugerste ausdrücklich aus. Sie gilt zwar für Futtergerste, aber die Qualität von Braugerste erfordert aufgrund der spezifischen Anforderungen der Mälzerei- und Brauindustrie eine eigene Norm, in der Regel die EN 16378.

Die Norm schreibt ein 1,0 mm Schlitzsieb vor. Alles Material, das durch das 1,0 mm Sieb fällt, wird automatisch als Schwarzbesatz (Feinbesatz) eingestuft. Andere Siebe (wie 1,8 mm oder 1,9 mm) werden speziell zur Bestimmung von Schmachtkorn verwendet.

Auswuchs wird nach EN 15587 durch rein visuelle Inspektion definiert. Die Keimwurzel (Radicula) oder der Keimling müssen mit bloßem Auge deutlich sichtbar sein. Wenn die Samenschale über dem Keim lediglich gespalten oder gequollen ist, aber kein Keimling sichtbar ist, gilt das Korn nicht als ausgewachsen.

Nein. Nahinfrarot-Analysatoren (NIR) messen interne chemische Eigenschaften wie Protein, Feuchtigkeit und Stärke. Die EN 15587 ist eine rein visuelle und physikalische Beurteilung. Um den Besatz ergänzend zu den NIR-Instrumenten zu messen, sind visuelle Inspektionssysteme erforderlich.

Gemäß der Norm muss das Labor eine Teilprobe von etwa 100 g (bei Weichweizen, Hartweizen, Roggen und Triticale) untersuchen, die mithilfe eines Probenteilers sorgfältig aus einer gründlich homogenisierten Sammelprobe entnommen wurde.

Nein, Fusarium-infizierte Körner werden je nach Schweregrad und spezifischer Normauslegung in der Regel als 'Kornbesatz' und nicht als Schwarzbesatz eingestuft, wenngleich eine starke Verfärbung eine sorgfältige visuelle Beurteilung anhand von Standard-Referenzbildern erfordert.

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